Mit Hansa aus der Insolvenz
Fred Februar 8th, 2008
Der Lüneburger SK, ein echter Traditionsklub, wird bald von der Bildfläche verschwinden und seine Spielberechtigung für die Niedersachsenliga an den FC Hansa Lüneburg 2008 abtreten.
Es ist schon unglaublich wie sich der Fußball in unserem Land entwickelt, vor allem hinsichtlich der Bedeutung des allgegenwärtigen Kapitals. Aufgrund meiner persönlichen Vita bin ich sicherlich nicht verdächtig ein Kommerzverächter zu sein, aber irgendwie bin ich doch noch ein Freund der Tradition und der Geschichte die einen Klub umgibt.
Der Lüneburger SK, gegründet 1901, ist der Traditionsverein der Lüneburger Heide. Anfang der fünfziger Jahre spielte der Verein sogar in der Oberliga, der damals höchsten deutschen Spielklasse, und schaffte 2000 den Aufstieg in die Regionalliga Nord. Doch was zunächst als größter sportlicher Erfolg der letzten Jahrzehnte gefeiert wurde, entwickelte sich zum ersten Schritt in Richtung Untergang. Um sich kurz zu fassen, der Verein überwarf sich finanziell komplett und musste Insolvenz anmelden. Über gewisse Kniffe konnte die Mannschaft zumindest noch die Niedersachsenliga halten, doch mehr war auf Dauer nicht drin.
Kürzlich wurde die Mannschaft informiert, dass trotz Tabellenplatz 2 und guten sportlichen Chancen, der Aufstieg in die neue Oberliga für den Klub kein Thema sei. Die Lizenzbedingungen seien nicht zu erfüllen. Jetzt sollen die Altlasten des Vereins entgültig abgeschüttelt werden. Die Fussballabteilungen der LSK und des Lüneburger SV werden zusammengelegt und laufen ab Sommer unter dem Namen FC Hansa Lüneburg auf. Der LSK behält die Schulden und die Tischtennissparte. Das Stadion am Wilschenbruch, ein fußballhistorisch eindrucksvoller Bau, wird wohl verkauft und einem Neubaugebiet weichen.
Alles in allem wird ein Verein mit einer langen Geschichte und Verwurzelung in der Region, eingetauscht gegen einen Retortenklub. Gut, ohne Schulden und mit besserer sportlicher und wirtschaftlicher Perspektive, aber auch mit dem selben Herz?


